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Sep 21 2016

Der Nebel des Schweigens

Sie sind seit ein paar Jahren Rentner, geistig und körperlich kerngesund, werden auf offener Strasse angehalten, abgeführt, kurz befragt und danach als „verwahrlost“ in die psychiatri­sche Klinik in Oberwil gebracht. Nach sechs Tagen stellt das Gericht vor Ort fest, dass es keinen einzigen Grund gibt, weshalb Sie in Oberwil eingesperrt sind. Sie können wieder nach Hause, müssen aber selbst dafür sorgen, wie Sie nach Hause kommen. Kein Geld in der Tasche, nur ein paar wenige Minuten auf dem Handy-Konto. Ein paar Monate später flattert eine Betreibung von rund CHF 600 ins Haus. Sie werden aufgefordert, den Selbst­behalt des Aufenthalts in Oberwil zu bezahlen.

Sie möchten den Zahlungsbefehl anfechten, haben aber kein Geld. Die Politiker im Lande schweigen. Sie haben Angst, es könnte ihnen auch passieren. Statt Ihnen die Prozesskosten zu erlassen, stimmen sie einem neuen Gesetz zu, dass jeder und jede melden müssen, wenn einem der Nachbar verwahrlost erscheint (Die Vorlage liegt im Parlament). Der Nebel der 30er Jahre zieht auf. Die Wahlen sind vorbei.

 

21. September 2016                                         Nationalrat Dr. Pirmin Schwander, Lachen

 

Der Nebel des Schweigens